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MTV
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Der damaligen
Zeit entsprechend, war die Bezeichnung "Männer-Turnverein" nahezu
obligatorisch für die Namensgebung bei vielen hundert Vereinsgründungen
vor der Jahrhundertwende bis zum Beginn des 1. Weltkrieges im Jahr 1914.
Denn Sport war ausschließlich ein Privileg der Männer unter dem
Leitgedanken der körperlichen (Wehr) Ertüchtigung und gleichbedeutend mit
Zucht, Ordnung und Gehorsam. Und das regelte § 3 der ersten Vereinssatzung
wie folgt: "Zur Aufnahme als Turner ist das erreichte 17. Lebensjahr und
unbescholtener Lebenswandel erforderlich".
Und § 1 der
zeitgleiche Turnordnung: "Das Betragen jedes Turners sei in jeder
Beziehung ein Anständiges".
Mit fragenden Blicken werden heute die jüngeren
Generationen reagieren, wenn gesagt wird, dass Turnen anno 1898 nicht nur
in Groß-Buchholz ein "Kneipen"-Sport
war. Zugegeben, eine derart despektierliche Äußerung
wäre ein Affront gegenüber der gesamten deutschen Turnerschaft der
damaligen Zeit. Doch so war das damals:
"Turnen fand auf dem Saale statt". In Groß-Buchholz auf
dem Saal von Gastwirt Heinrich Hennies in der Silberstraße(heute: Gasthaus
"Zur Eiche"). Turnhallen gab es eventuell weit hinter der Eilenriede in
der Stadt Hannover.
Frauen und Mädchen im Männer-Turnverein
Groß-Buchholz.
Das Turn-Monopol der Männer endete im Jahr 1910.
Dokumentiert ist aber auch, dass dieser bedeutende Beschluss erst nach
längerer und heftiger Kritik einiger emanzipierter und sportlich
interessierter Frauen zustande kam.
Zwar bestand
bereits seit 1887 im Allgemeinen Leipziger Turnverein eine "Abteilung für
das weibliche Geschlecht", doch die Verbände wurden erst ab1895 aktiv, so
der Arbeiter-Turnerbund(ATB) und 1897 die Deutsche Turnerschaft (DT).
Im Vergleich zu
den erheblich längeren Entscheidungsphasen wesentlich älterer Turn-
und Sportvereine ist der
"nur" 12-jährige Denkprozess im MTV doch durchaus bemerkenswert!
Zwischen den
Weltkriegen
Im Protokollbuch
des MTV-Vorstandes vom 09.10.1915 steht: "Es wurde beschlossen, den
Turnbetrieb bis nach dem Kriege ruhen zu lassen". Erst nach mehr als drei
Jahren, ab 26.12.1918, liegen wieder Aufzeichnungen eines vorläufigen
Vorstandes vor.
Im Jahr 1923
wurde das sportliche Angebot durch Handball erweitert und erstmalig ein
Jugendwart und ein Jugendausschuss gewählt. Und erneut erst mit
mehrjähriger Verzögerung konnten Frauen und nunmehr auch Mädchen ab 1926
wieder sportlich sein.
Trotz Inflation,
Arbeitslosigkeit und Weltwirtschaftskrise waren die nun folgenden
Jahre bis zum
Beginn des 2. Weltkrieges(1939) für die Mitglieder des MTV eine Zeit
großer sportlicher Beständigkeit mit wachsender Mitgliederzahl,
insbesondere durch Kinder und Jugendliche.
Und für zehn
hübsche und sportliche Mädchen unseres Vereins wurden die olympischen
Spiele 1936 in Berlin zu einem unvergesslichen Erlebnis. Gemeinsam mit 180
Mädchen, u.a. aus der Loges-Schule Hannover, gestalteten sie am 08.08.1936
im Olympia Stadion mit gymnastischen Vorführungen die Rahmenprogramme
zwischen den olympischen Wettkämpfen.
Krieg, Elend
und Verlust der Sportstätten
Der 2. Weltkrieg
mit seinen noch heute kaum vorstellbaren menschlichen Tragödien und
wirtschaftlichen Folgen brachte auch in Groß-Buchholz den gesamten
Sportbetrieb zum Erliegen. In der Nacht vom 08.zum 09.1943 vernichteten
Bomben den Stegmannschen Saal in der Silberstraße (heute: China-Restaurant
"Große Mauer") einschließlich der meisten Turn- und Sportgeräte, den
Vereinsschrank mit der Fahne und vielen ebenfalls unersetzlichen
Vereinsunterlagen. Der Sportplatz war durch eine Flakstellung
zweckentfremdet und die wehrpflichtigen Vereinsmitglieder waren irgendwo
im kriegerischen Europa.
Start in die
Gegenwart
Nach der
Aufhebung des Vereinsverbotes durch die britische Militärregierung und
einigen nicht lösbaren Organisationsfragen zwischen den ehemaligen
Sportvereinen der hannoverschen Oststadt erfolgte am 03.02.1946 die
Neugründung des Männer-Turnverein Groß-Buchholz v.1898 e.V. unter der
Leitung von Walter Plötz als 1. Vorsitzenden(bis 1976).
Eine kaum zu
wiederholende Solidargemeinschaft aus vielen MTV-Mitgliedern war
mit Ehrgeiz und
großem körperlichen Einsatz um die Geschicke und den Aufbau des Vereins
bemüht. Der als Flakstützpunkt verwüstete Sportplatz an der
Schierholzstraße wurde wieder hergerichtet. Stellvertretend für die noch
in Krieggefangenschaft befindlichen Ehemänner und Väter verrichteten
"MTV-Trümmerfrauen" Knochenarbeit beim Aufräumen des
ausgebrannten Stegmannschen Saales.
Sportlicher
Auftakt war sodann bereits im Februar 1946 durch die Handball-Männer
gefolgt von den Turnern und Turnerinnen einschließlich Kinder und
Jugendliche im Mai 1946 und den Leichtathleten ab Januar 1947. In den
Folgejahren sodann eine lebhafte Mitgliederentwicklung mit sportlichen und
gesellschaftlichen Höhepunkten durch Schauturnen, Handballturniere,
Maskenbälle und Theaterspiele. Gründung der Tischtennis-Abteilung in 1953.
Ab 1956 die erste Turnhalle in Groß-Buchholz an der Grundschule
Bleidornstraße(Groß-Buchholzer-Kirchweg).
Von 1957 bis
1977 Ferienfahrten von bis zu 107 MTV-Kinder mit der hannoverschen
Sportjugend nach Otterndorf/Elbe und zum Priwall/Ostsee.
1958: Erweiterung des sportlichen Angebotes durch Mutter- und
Kindturnen; 50-jähriges Vereinsjubiläum mit großem Schauturnen und
Hallensportfest.
Mit der zunehmenden Wohnbebauung entstanden in den Folgejahren
die Turnhallen Rehmer Feld-Schule(1963); Sieben Stücken-Schule(1966); das
Nord/Ost-Bad(1970), IGS-Roderbruch(1973);
Heinrich-Ernst-Stötzner-Schule(1975). Die Dekade von 1970
bis 1979 war für den MTV die entwicklungsreichste Zeit seit
seiner Gründung.
Nicht allein der Bau des eigenen Vereinsheimes mit acht
Tennisplätzen neben der
IGS Roderbruch an der Rotekreuzstraße 25 symbolisierte den
beginnenden Aufbruch.
Mit fünf neuen Abteilungen: Schwimmen(1970 bis 1990);
Tennis(1973); Volleyball(1974); Fußball(1975); Tanzen(1979) dazu
Skigymnastik(1979; als Kursus auch für Nichtmitglieder) wurde das
bestehende Sportangebot kurzerhand verdoppelt. Mit der erfreulichen Folge, dass sich auch der Mitgliederbestand auf rd. 1.900(1988) verdoppelt hatte,
aber u.a. durch die Auflösung der Schwimmabteilung (Neubau des
Nord/Ost-Bades(1992) nur noch kommerzielle Nutzung) zum aktuellen
Zeitpunkt bei steigender Tendenz 1.550 Mitglieder beträgt.
Mit Badminton(1989); Gesundheitssport(1992
Wirbelsäulengymnastik; adipöse Kinder 2002); Integrativer
Behindertensport(1994); Kricket(2003) und Cheerleading(2003) hat der MTV sein Sportangebot inzwischen auf zwölf Abteilungen erweitert.
Noch nicht absehbar sind für den MTV die Folgen aus der von der
Landeshauptstadt
beabsichtigten Veräußerung und Abriss der Rehmer
Feld-Schule(mit zwei Sporthallen) zum Zweck einer Wohnbebauung.
Allein das Ansinnen ist ein einfach unglaublicher Affront
seitens der Politik und Verwaltung gegenüber den Bürgern in Groß-Buchholz
und den übrigen zehn Mietern(Sportvereinen) der Sporthallen.
Der MTV Groß-Buchholz war Hauptnutzer beider Sporthallen mit
19,5 Wochenstunden. Über 350 Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind von
montags bis freitags bei Mutter- und Kind Turnen, Kinderturnen,
Jungenturnen, Frauengymnastik, Power-Fitness, Aerobic, Fitness für
Jedermann, Volleyball, Badminton und Ski-Konditionsgymnastik in den Hallen sportlich aktiv.
Mittlerweile ist klar, dass die Hallen ab August 2004 geschlossen sind.
Der MTV ist bemüht durch Anmieten
neuer Hallen und Zusammenlegung mit Sportsunden in anderen Hallen, die
Fehlzeiten auszugleichen.
Heinz Kühler
Ansprechpartner:
Heinz Kühler Kolbeweg 10 30655 Hannover
Tel.: 0511 - 5 46 33 93

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